Abschied im Walde.*)
Es war im Frühling, als der Sonne Strahl
Das Leben weckte unterm fernen Hügel,
Da schritt das Schicksal durch das Elstertal,
Die Hoffnung folgte auf der Liebe Flügel,
Des Landes Fürst sah seiner Wand`rung Ziel
Und fühlte seines Lebens Kraft versagen,
Sah, wie der Hammer aushob, wie er fiel,
Um seine letzte Stunde anzuschlagen.
Da ging es wie ein Ahnen durch den Wald,
ein heimlich Raunen stieg aus fernsten Gründen:
Nun kommt der Herr, nun kommt der Jäger bald,
Im Wipfelrauschen seine Ruhe finden.
Hoch droben in der stillen Einsamkeit
Will er sein Haupt zum letzten Schlummer legen,
Fernab von seinem Tag und seiner Zeit,
Fern von des Alltags unruhvollen Wegen. -
Aufhorcht des Waldes tausendfach Getier,
Denn der da kommt, ist ihm ein Freund gewesen,
Der gerne zog ins grüne Waldrevier,
Um hier zu neuem Starksein zu genesen.
Nun will er kommen und nicht wieder gehn,
Im Tode treu, so treu wie einst im Leben;
Die Vögel lauschen und die Lüfte wehn,
Ein still "Willkommen!" schwingt im Waldesweben.
Und aus dem Dämmerschatten tritt heraus
Ein stolzer Hirsch, der König dieser Stätten,
Und fragend blickt er in das enge Haus,
Wo man den Freund nun will zum Schlummer betten.
Und Arbeitsmänner sehn den Stolzen stehn,
Sehn ihn im letzten Gruß das Haupt verneigen,
Da ist es wie ein heimliches Verstehn,
Ob auch der Wald und seine Tiere schweigen.
Und lautlos schritt er fort, so wie er kam,
Die bange Kunde in den Wald zu tragen,
Daß er vom edlen Jäger Abschied nahm,
Um ihm auf ewig "Lebe wohl" zu sagen.
Und als er ging, da stieg tief aus dem Tal
So ernst und weh des Abendläutens Singen,
Da zog aus Erdenleid und Erdenqual
Hin eine Seele auf des Klanges Schwingen!
Franz Kellert.