• Auf den Spuren der Reussen -
    Der Heinrichsruher Park, ein lohnendes Ausflugsziel

"Sanft mit ihrem dichten Schleier
deckt die Nacht die Wälder zu;
Vollmond spiegelt sich im Weiher
leuchtet still auf Heinrichsruh"

So sang einst der Sohn des bekannten Dichters Julius Sturm, der Naumburger Rechtsanwalt August Sturm, begeistert von der Stille und Einsamkeit des Waldparks Heinrichsruh, dessen Anfänge bis 1704 zurückreichen, als Graf Heinrich XI. Reuß-Schleiz, das "Wäldchen auf dem Grauen Berg" einzäunen ließ.
Mit seinen Laubholzbeständen, seinen malerischen Gruppen alter Buchen, Linden, Birken, Ahorn, Stiel- und Traubeneichen, Eiben, Ulmen, Weymoutskiefern, Lärchen und Douglasien, mannigfachem Strauchwerk mit Rasenflächen und Ruheplätzen, seinen zahlreichen Wegen wie dem, an der mächtigen Rundbankbirke beginnenden Behindertenwanderweg, als auch wegen der herrlichen Fernsicht vom "Luginsland" aus, ist er ein Idyll für all die, die sich aus dem Hasten und Treiben der Städte hinaus in die Ruhe und Einsamkeit des Waldes sehnen und Sinn für die herrliche Natur haben.
Besonders im Frühling erstaunen die Immergrün- und Efeuteppiche sowie die zu Tausenden blühenden Buschwindröschen zwischen den Bäumen.
Wer dem Rauschen der alten Bäume lauscht, dem erzählen sie von Prinzessinnen und Comtessen, alten Grafen und Herren und von den vielen Festlichkeiten, die auf Heinrichsruh abgehalten wurden. Die Fürstliche Familie hielt sich hier meistens im Sommer auf, ebenso zahlreiche Freunde, Gönner und Gäste des Schleizer Fürstenhofes. So weilten z. B. auch das preußische Königspaar, Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise am 5. Juli 1805 auf Heinrichsruh. Auch Fürstin Agnes, die Gattin Heinrich XIV., als auch Ihre Mutter, Herzogin Helene von Württemberg, geb. Prinzessin von Hohenlohe, die 1880 hier verstarb, waren der Aufenthalt auf Heinrichsruh ans Herz gewachsen. Eine kleine Anekdote aus der Kindheit von Prinzessin Elisabeth zu Solms-Braunfels, geb. Reuß, geb. am 27.10.1859, Tochter von Agnes und Heinrich XIV.: "Am Sonntag kamen die Spielgefährten aus Schleiz, oft in Scharen. Im Park hatten wir unsere Kinderhäuschen und Ende Juni wurde ´Johannisfest` gefeiert. Der kleine Sohn von Gymnasialdirektor Duden war der Johannisengel, wir Mädchen umringten ihn in weißen Kleidern mit Flügeln und man zog auf einen Hügel, dem Johannisberg, von unserer Mutter als solchen erdacht. Fürstin Agnes zu Ehren wurde ein mit einer Vase gekrönter Obelisk mit den Worten "Dem Andenken der teuren Gattin H." im Park aufgestellt. Jetzt noch steht der Obelisk moosbegrünt und von einem eingewachsenen Zaun umgrenzt im Park, jedoch ohne die bronzene Inschriftplatte und ohne den aus Bronze oder Kupfer getriebenen Vasenaufsatz, der in den 60er Jahren abhanden kam. Gewohnt wurde in dem 1808 errichteten Heinrichsruher Palais. Die Siedlung Heinrichsruh selbst entstand 1712 und liegt neben der alten Poststrasse, auf der bereits 1589 Postreiter nach Ansbach, Bayreuth als auch nach Leipzig und Torgau verkehrten.
Auf dem hinter dem Palais liegenden freien Platz, von sechs hohen Eschen bewachsen, war früher parkmäßig ein Rondell angelegt, in dessen Mitte sich eine, von Efeu umrankte Marmorplatte mit einem Reliefbrustbild Fürst Heinrich XLII. und folgender Inschrift befand: "Der glückliche Vater weihet seinen Kindern diesen selbst gepflanzten Hain - 1811". Eine Zeichnung des Denkmals ist im Heinrichsruh-Album zu finden. Aus derselben Zeit der Erweiterung des Parks durch Heinrich XLII. stammte eine starke Steinplatte mit der Inschrift: "Zum Andenken meines Freundes Sigismund , Graf von Zail, Fürstbischof von Chiemsee. Er sendet Zirbeln und Steineichen hierher - H. XLII. j. L.F.R. MDCCCIX." Diese Platte befand sich im östlichen Teil des Parks, Richtung Oberböhmsdorf, dort, wo der Nadelwald an den durch gärtnerische Kunst geschaffenen Teil des Parks auf einen Unterbau von Felsstücken angrenzt. Mit den Worten "Seiner Hände Fleiß verschönerten diese Gefilde", erinnerte eine schwarze Schiefertafel an den tüchtigen Schleizer Hofgärtner Felder, der sich unter Heinrich LXII., gest. 1854, große Verdienste, besonders um die Gestaltung des südlichen Parkteils u. a. der Wiese mit dem Kanadischen Tulpenbaum erwarb.
Die Schleizer Schützen feierten in Heinrichsruh bis 1828 ihr Vogelschießen. Ab 1779 tagte hier eine Art Freimaurerloge, "Die Gesellschaft der guten Leute". Hier gesammeltes Geld wurde z. B. als Schulgeld für bedürftige Kinder verwandt, wie man in einem "Extractus Protocolli der Heinrichsruher Loge" von 1782 erwähnte. Nach der Schlacht bei Sedan (Frankreich 1870) wurde von den Schleizer Schulen regelmäßig das "Sedan-Fest" auf dem Wiesenstück vor dem Gotischen Haus in Heinrichsruh gefeiert. Ebenso gaben die vogtländischen Sängerfeste ab 1861 hier ein Stelldichein ihrer über tausend Sänger, deren Lieder weit über den vogtländisch-thüringischen Wald hallten.
Heinrichsruher Park
Heinrichsruher Park
 
Pflanzung des Tulpenbaums
Pflanzung des Canadischen Tulpenbaums im Park
Buschwindröschen
Buschwindröschen im Park
 
Denkmal der Fürstin Agnes
Denkmal der Fürstin Agnes im Heinrichsruher Park

Mit Unterstützung der Sparkasse Saale-Orla wurde 1999/2000 im Heinrichsruher Park ein ca. 1 km langer Behindertenwanderweg angelegt. Er beginnt unweit an der B 2, zwischen dem alten Palais und dem Hotel "Luginsland", führt an einer etwa 200jährigen Rotbuche vorbei und steigt dann sehr leicht bis zur Schutzhütte an. Auf diesem Teilabschnitt befinden sich mehrere Bänke und Sportgeräte, die gern benutzt werden. Der Zugang zur Hütte ist für Rollstuhlbenutzer befahrbar. Dort befindet sich auch eine Hinweistafel, mit Informationen über die Entstehung des Parks und über die Entwicklung der Siedlung Heinrichsruh. Von der Schutzhütte aus geht der Weg fast eben an einem "Steinbruch" vorbei und fällt dann leicht ab, bis hin zum Weg Heinrichsruh - Oberböhmsdorf. Interessant sind die Beschreibungen für einzelne, im Park vorkommende Baumarten in Blindenschrift. Der 3. Teilabschnitt des Weges bis zum Ausgangspunkt zurück ist eben und führt an einer Waldwiese vorbei, auf der bei günstiger Witterung ein Aufenthalt empfehlenswert ist. Der Behindertenwanderweg verläuft hauptsächlich unter einem idyllischen, dichten Blätterschirm von über 20 Baumarten, wobei die meisten der starken Gehölze über 130 Jahre alt sind. In diesem Raum wachsen auch über 200 Eiben, die unter Naturschutz stehen. Kürzlich erfolgte im Laubholzbestand eine forstliche Pflegemaßnahme; um deren Kulturverjüngung zu fördern.
Der Heinrichsruher Park wird von Naturfreunden, Schülern und Sportlern auf vielfältige Weise genutzt, z.b. für Waldspiele, Crossläufe, zum Joggen oder einfach für einen erholsamen Spaziergang. Trotzdem sollten Landesbehindertenverbände und Verantwortliche einzelner Behinderteneinrichtungen informiert und angeregt werden, diesen, von ABM-Kräften eigens für behinderte und kranke Menschen angelegten Weg, mit seinen vielfältigen sportlichen Möglichkeiten und seinem hohen Erholungswert künftig häufiger zu nutzen.
Unweit des Heinrichsruher Parks, jenseits der alten Poststrasse mit Blick auf Oschitz und dahinter liegende Berge, befand sich das alte Wirtshaus "Schweizerhaus", welches 1903 abgerissen werden musste. Dort wurde anlässlich verschiedener Parkfeste, vor allem aber auch während des im Sommer stattfindenden "Vogelschießens" Schwarzbier der seit 1543 bestehenden Fürstlichen Brauerei Bad Köstritz ausgeschenkt.
Rezept aus der Reussischen Hofküche: "Schwarzbierbowle"

Zutaten: 6 Flaschen Schwarzbier 0,5 l, 0,35 l Korn, 2 Zitronen, Orangen nach Bedarf, Zucker Geschälte Zitronen und Orangen in Scheiben schneiden, mit Korn übergießen, ggf. etwas Kirschlikör oder Sauerkirschsaft und mit Zucker bestreuen. Zugedeckt ziehen lassen. Bier darüber gießen. Kalt servieren!


© Die abgebildeten Bilder sowie der Text wurden uns freundlicherweise zur Veröffentlichung überlassen und unterliegen daher (C)Text: Herr Otto Pätzold und Aufnahmen: Frau Angelika Heerlein. Fotograf des Fotos "Denkmal der Fürstin Agnes im Heinrichsruher Park" ist Herr Gunnar Schwarz.

Information
Herr Otto Pätzold
Heinrichsruh
07907 Schleiz
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