• Saalburg - Ebersdorf

Auf unserer Fahrt von Schleiz in Richtung Lobenstein kommen wir nach wenigen Autominuten erst einmal durch die Gemeinde Gräfenwarth. In dem kleinen Ort, der zur Heimat der Rennfahrerlegende Manfred von Brauchitsch wurde, spiegelt sich die kleine Kirche im Abendlicht malerisch im Wasser des ihr gegenüberliegenden Teiches. Als Besonderheit des Ortes ist der "Pilzlehrpfad" zu erwähnen. Doch wir wollen uns hier nicht zulange aufhalten.
Als nächstes passieren wir die imposante Brücke über einen Seitenarm der Bleilochtalsperre, dem das kleine Flüsschen Wettera durch das gleichnamige romantische und zugleich urwüchsige Tal rastlos entgegeneilt. Kurz vor dem Campingplatz Gräfenwarth vereinen sich beide miteinander.
Eine besondere Rarität an der weiteren Strecke ist die nicht nur in geologischen Kreisen weltbekannte "Steinerne Rose", die in ihrem Aufbau aus schalenförmigem Diabas besteht. Nachdem wir an der kleinen Siedlung Kloster, die im Sommer ein wahres Segler- und Wassersportparadies ist, vorbeigefahren sind, sehen wir rechts den größten Stausee Deutschlands, die Bleilochtalsperre. Linkerhand auf der Höhe erhebt sich der mächtige Bau des Hotels und der Gaststätte "Fürstenhöhe".
Jetzt haben wir das Städtchen Saalburg erreicht. Von 1647 bis 1666 hatte hier die Herrschaft Reuß-Saalburg ihren angestammten Sitz. Der zu seiner Zeit hoch über dem Tal der Saale erbaute Ort erstreckt sich heute direkt bis ans Ufer der mächtigen Bleilochtalsperre. Die Staumauer wurde in den Jahren von 1926 bis 1932 erbaut. Die Dammkrone, über die der Fahrzeugverkehr in Richtung Remptendorf rollt, ist 250 Meter lang. Die Höhe der Staumauer beträgt 65 Meter und an der Sohle ist sie immerhin 47 Meter breit. Eingebettet ist sie in die sogenannten Bleiberge, durch die der Stausee auch seinen Namen erhielt. Die Gesamtlänge des Sees beträgt 28 Kilometer, die hier gestauten Wassermassen belaufen sich bei Normalstau auf 215 Millionen Kubikmeter.
Saalburg wird erstmals schriftlich in einer Urkunde Heinrich Raspes im Jahre 1222 erwähnt. Der Name ist von der einst trutzigen Saalburg abgeleitet, die hoch über dem Tal des Flusses erbaut wurde und den wichtigen Übergang über die Saale schützen sollte. Von der ehemaligen Burg kündet heute neben einigen Mauerresten nur noch der Stumpf des Bergfrieds, der am 20. Juni 1913 einstürzte.
1313 erhielt die Siedlung Stadtrechte. Der Ort gelangte durch Heirat von den Herren von Lobdeburg an die Vögte von Gera. Während eines verheerenden Brandes im Jahre 1586 wurde nahezu die gesamte Stadt zerstört. 1640 wurde die Stadt von den Schweden erstürmt. Sie vertrieben die Besatzung und zündeten Saalburg an.
Das älteste, heute noch erhaltene Bauwerk von Saalburg ist die Kirche St. Marien, deren Gründung vor 1223 erfolgte.
Das Rathaus mit seinen großen bogenförmigen architektonischen Elementen und dem schiefergedeckten Turm stammt mit seinen Fundamenten aus der Zeit des Mittelalters.
Gasthof Kranich
Gasthof "Kranich"
Das einstige Zoll- und Amtshaus der Stadt verbirgt sich hinter der malerischen Fassade des heutigen Gasthofes "Kranich". Unmittelbar daneben ist das letzte erhaltene Stadttor von Saalburg zu sehen, an das sich die Reste der alten Stadtbefestigung anschließen. Interessant ist, dass durch dieses Tor die einstige Handelsstraße von Leipzig nach Nürnberg führte.
Wenn man schon einmal in Saalburg ist, dann sollte man auf keinen Fall eine Rundfahrt mit den stolzen Schiffen der Saalburger Fahrgastschiffahrt GmbH versäumen. Ob einfache Rund- und Charterfahrten, Kaffee-, Mondschein- oder auch Frühschoppenfahrten mit gastronomischer Betreuung - hier ist einfach alles möglich. Eine weitere Attraktivität von Saalburg ist der weit über die Stadtgrenzen hinaus berühmte "Märchenwald", der besonders für Familien mit Kindern eine Erlebniswelt für sich darstellt. Da grüßt der überdimensionale Rübezahl freundlich mit seiner wuchtigen Keule, Münchhausen fliegt auf seiner Kanonenkugel durch das Tal und die sieben Schwaben sind eigentlich nur sechs, denn ein Platz ist immer frei für ein lustiges Erinnerungsfoto. Wer aufmerksam durch das weitläufige Gelände spaziert, findet hier ganz bestimmt alle bekannten Märchenfiguren.
Eine weitere Besonderheit des Ortes ist die Sommerrodelbahn.


Saalburg is a little town between Lobenstein and Schleiz. It is over 800 years old. Historically, it is a possession of the Younger Reuss line.
In its early period, the town was built up high above the Saale River. Today the town is located by a lake. It is surrounded by a scenic landscape with lakes, forests and hills. Ramblers will relish the quiet and the expanse of the forests. Those who prefer a boat ride or like rowing can do so on a 27-kilometre stretch of lake. The lake is a paradise for surfing and sailing enthusiasts. There are two camping sites at Saalburg and Saalburg-Kloster. The town hall, the market and the town church are sights worth seeing.

Other sights:
  • Bleiloch dam
  • Stone Rose
  • Burgk castle with museum
  • Water-power museum at Ziegenrück
  • Faryland forest with children`s playground for the young and the old


Campingplatz Kloster
Campingplatz
Kloster
Campingplatz Kloster
Campingplatz
Kloster
Saalburg Schiffsanlegestelle
Saalburg Schiffsanlegestelle

 

Ebersdorf

Ebersdorf liegt an den nordöstlichen Ausläufern des Thüringer- und des Frankenwaldes. Der Ort war ursprünglich ein Rittergut mit 4 Bauernhöfen. Sein frühester bekannter Besitzer war ein Meinhard Götze. Das Rittergut wurde durch die Herren und Vögte von Gera gekauft (vor 1425) und Meinhard Götze erhielt das Gut als Lehen.
1401 wird Ebersdorf das erste Mal urkundlich erwähnt.
Nach mehrmaligem Besitzerwechsel fiel das Gut 1681 an die jüngere Linie Reuß. 1682 kaufte es Heinrich I. Reuß-Schleiz (1639-1692) für seinen Vetter Heinrich X. Reuß-Lobenstein, welcher 1683 die Regierung antrat.
Das Wohnhaus des Rittergutes war jedoch gegenüber den Residenzen seiner Verwandten kein angemessenes Gebäude. 1692 wurde mit dem Bau des barocken Schlosses begonnen und 1694 konnte Heinrich X. mit seiner Frau einziehen. Der Bau kostete über 3700 Gulden. Die vorgesehenen Kosten waren weit überschritten.
Schloss Ebersdorf um 1820
Historische Aufnahme:
Schloss Ebersdorf um 1820
Nach einem Schlossbrand im Jahre 1696 musste das Schloss repariert werden. Die Ebersdorfer und auch die Bewohner der umliegenden Ortschaften erhielten die Anweisung, Steine aus der Saale heranzufahren.
Die Herrschaft Reuß-Ebersdorf vergrößerte sich im Jahre 1711 durch die erhaltenen Erbanteile an der Herrschaft Hirschberg. Hinzu kam auch noch bedingt durch Erbanteile die Herrschaft Lobenstein (1824).
Von 1709-1732 wurden weitere Gebäude angebaut u. a. die beiden Schlossflügel, sowie ein Turm, in den eine Uhr mit Schlagwerk eingesetzt wurde. Der Turm wurde später jedoch wieder abgerissen. Die Glocken wurden als Schmelzgut in der Ebersdorfer Kirche verwendet.

Bekannt wurde Ebersdorf auch durch die von hier ausgehende Verbreitung des religiösen Gedankens des Grafen Nikolaus von Zinzendorf (1700-1760). 1722 wird die Tochter Heinrich X., Erdmuthe Dorothea, Gräfin Reuß-Ebersdorf, mit dem Grafen Zinzendorf, dem Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine, getraut. In den Anfangsjahren wohnten die Bediensteten auch im Schloss. Viele stammten aus der Brüdergemeine. Heinrich XXIX. sorgte als Anhänger der Zinzendorfer Ideen für die Ansiedelung der Angehörigen der "Brüderschaft".
1746 wird der Kirchensaal eingeweiht. Die Kirche ist sehr schlicht und trägt den Charakter einer Brüdergemeine. Die Orgel stammt aus der Kapelle des Ebersdorfer Schlosses. Die Kirche hat kein Längsformat sondern ein Querformat. Der Kirchensaal zeigt den typischen Gemeinschaftscharakter. Interessant ist auch der Gottesacker der Brüdergemeine. Es gibt eine Brüder- und Schwesterseite und einheitliche Grabsteine. Das älteste Grab ist von 1740. Auch Gräber von Angehörigen der Reußenfamilie sind zu finden.
1788 wurde dann wieder ein größerer An- und Umbau am Schloss vorgenommen. Die klassizistische Säulenfront des Hauptgebäudes mit den eindrucksvollen 7 Säulen entstand. Beim Bau stieß man auf den ursprünglich dort vorhandenen Wassergraben. Die Baumaßnahme erfolgte unter der Federführung des Architekten Christian Friedrich Schuricht (1753-1832) aus Dresden, der von Heinrich LI. mit Weitblick für seine Baumaßnahme ausgewählt wurde. Dieser bekannte Baumeister hat auch das "Neue Palais" in Pillnitz bei Dresden geschaffen. Die Innenausstattung wurde zu dieser Zeit ebenfalls umgestaltet.
Vom 9. - 10. Oktober 1806 bezog Napoleon im Hauptgebäude des Schlosses im sogenannten Bilderzimmer Quartier. Durch den Ort zogen ca. 200 000 Franzosen und ihre Verbündeten aus Bamberg. Die Preußen und Sachsen erlitten in diesem Feldzug bei Schleiz die erste Niederlage.

Anfang des 18. Jh. wurde auch ein Schlossgarten im Barockstil angelegt. Nach und nach wurde der Garten ausgebaut, Laubengänge, Pavillons und ein Vogelhaus errichtet. Die Orangerie, die zu dieser Zeit unbedingt zu einem Garten gehörte, wurde mehrmals verändert und 1790 in den Hofgarten verlegt. Es entstanden Baumgruppen mit ca. 600 Buchen, 200 Linden und zahlreichen Ahornbäumen. In der 2. Hälfte des 18. Jh. setzt sich dann die englische Gartenkultur durch. Der Baumeister Schuricht gilt auch hier als Schöpfer des vergrößerten Schlossparks. Eine große Anzahl von Bäumen lieferte die mit dem Garten verbundene größere der beiden Baumschulen am Pfotenteich. In der Baumschule wurden z. B. in den Jahren 1805-1810 229.400 Bäume und Sträucher aus Samen veredelt. Im Laufe der nach 1853 folgenden Jahrzehnte entwickelte sich der Park zu seinem heutigen Aussehen. Das Teichhäuschen im Park ist ein typisches Fotomotiv. Wann es gebaut wurde, ist ungewiss. 1947 stand es nicht mehr, wurde aber nach altem Stil wieder aufgebaut. Das über 100 Jahre alte
Teichhäuschen
Teichhäuschen im Park am Pfotenteich
Teehäuschen, auf alten Ansichtskarten auch zu finden, wurde ebenfalls wieder in Ordnung gebracht.
Südwestlich vom Park liegt das Ernst-Barlach-Denkmal. Es ist ein besonderes Kunstwerk. Heinrich XLV., Erbprinz Reuß, hat Ende 1929 Ernst Barlach (1870-1938) den Auftrag gegeben, ein Grabmahl für seine Eltern und seine zwei Brüder zu bauen. Heinrich XLV. war am Geraer Theater tätig und hat drei Schauspiele von Barlach aufführen lassen. Hier hatten sie sich kennengelernt. 1931 werden die Särge eingebracht.
Der Park ist allen Besuchern zugänglich. Bei Parkführungen werden alle Details des Parks und seiner Architektur sowie die Ortsgeschichte ausführlich erläutert. Park und Schloss blieben in Eigentum der Ebersdorfer Grafen (seit 1806 Fürsten) bis zu Heinrich LXXII., der am 1. Oktober 1848 - vom Volke vertrieben - auf den Thron verzichtet. Vom 5. Oktober 1848 an waren die Schleizer Fürsten Eigentümer von Schloss und Park. Die Revolution 1918 beließ Schloss und Park in Eigentum des Hauses Reuß durch einen Vergleich. 1948 erfolgt die Enteignung der ehemaligen Fürstenhäuser.
Noch ein außergewöhnlicher Gast bezog 1843 in Ebersdorf Quartier; die skandalumwitterte Tänzerin Lola Montez. Heinrich LXXII. lernte sie auf Reisen kennen und hat sie nach Ebersdorf eingeladen. Da sie auf einem Fest den Hund des Fürsten auf Schulkinder hetzte, die zur Begrüßung sangen und sich auch sonst nicht fürstlich benahm, musste sie das Schloss und Land verlassen.
Zu nennen wäre auch noch die Prinzessin Reuß-Ebersdorf, die Prinzessin Auguste Caroline Sophie, die im Schloss geboren wurde und später die Großmutter der berühmten englischen Königin Victoria (1819-1901) war. Die Blütezeit des englischen Bürgertums unter ihrer Herrschaft ist als die "Viktorianische Ära" in die Geschichte eingegangen.
Der Dichter Ludwig Ganghofer (1855-1920) weilte mehrmals in Ebersdorf und wanderte zum Heinrichstein (546 m), dem er ein Gedicht widmete.


Ebersdorf is embedded in a scenic landscape with extensive forests, meadows, pastures und fields. Worth seeing is a 55-hectare English-style park and the castle with its classicist gable.
The family tomb of prince Heinrich XXVII, Younger Reuss line, which was sculptured by Ernst Barlach, is a particularly impressive piece of art. Heinrich LXXII (ruled 1822 - 1848) became known far beyond the borders of his principality as an eccentric person. Lola Mondez, a well known dancer and allegedly the Prince´s mistress, also lived here.
Its clean air has made Ebersdorf a resort since 1880. The town and its surroundings are recommended for rambling and walks can be undertaken in the near upper valley of the Saale River. A visit to the Waidmannsheil hunting castle is also recommended.


 

© Ein Teil der Bilder wurde uns freundlicherweise zur Veröffentlichung von der Stadtverwaltung Saalburg-Ebersdorf überlassen. Außerdem danken wir Herrn Köchel. Die historische Aufnahme erhielten wir von der Werbeagentur Riegg & Stark.
Rathaus Saalburg
Rathaus Saalburg
Bleilochstausee
Bleilochstausee
Bleilochstausee
Bleilochstausee

Residenz der Reußen

Nach wechselvoller Geschichte stand Saalburg unter der Herrschaft der Lobdeburger, der Thüringer Landgrafen, der Vögte von Gera und dem Fürstentum Reuß jüngerer Linie.
Um 1530 erfolgte der Umbau der schon baufälligen Saalburg, die Heinrich XIV. 1515 seiner Gemahlin zusammen mit der Stadt als Leibgedinge verschrieben hatte. Von 1647-1666 hatte hier die Herrschaft Reuß-Saalburg ihren angestammten Sitz. Der Zwergstaat besaß nur ca. 7.000 Einwohner.
Saalburg
Saalburg

Sehenswert und interessant

Die Brüdergemeine ist eine evangelische Kirche. Sie hat ihren Ursprung in Böhmen/Mähren. Da sie dort nicht anerkannt waren, haben sie Siedlungsland gesucht. Ein Graf Zinzendorf aus Löbau/Zittau war nicht reich, hatte aber ein Gut. Am Hutberg bot er ihnen eine Siedlung an. Sie nannten ihr Gebiet "Unter des Herren Hut". So entstand der Begriff "Herrenhuter Brüdergemeine". Durch die Heirat mit der Ebersdorfer Prinzessin entwickelte sich die bereits existierende kleine evangelische Gemeinde zu einer eigenständischen Gemeinde.
Ernst-Barlach-Denkmal
Ernst-Barlach-Denkmal
Heinrichstein
Heinrichstein

Residenz der Reußen

Als Heinrich der X. aus dem Hause Reuß-Lobenstein, der Gründer der Ebersdorfer Linie, mit 21 Jahren seine Regierungsgeschäfte antrat, bestimmt er Ebersdorf 1694 zu seiner Residenz, einem kleinen Land mit wenigen Dörfern. Das Wohnhaus des Rittergutes war jedoch gegenüber den Residenzen seiner Verwandten kein angemessenes Gebäude. Der Graf wollte heiraten und der Schlossbau wurde unerlässlich. Mit dem Bau wurde 1692 begonnen. 1694 zog Heinrich X. mit seiner Frau ein. Der Umbau zu einem Schloss im klassizistischen Stil mit Säulenfassade erfolge 1788 bis 1791. 1806 marschierten französische Truppen durch den Ort. Napoleon nächtigte im Schloss. Park und Schloss blieben Eigentum der Ebersdorfer Grafen (seit 1806 Fürsten) bis zu Heinrich LXXII. Nun waren die Schleizer Fürsten Eigentümer von Schloss und Park. Bis 1918 wurde das Schloss als Sommerresidenz genutzt. Die Revolution 1918 beließ Schloss und Park in Eigentum des Hauses Reuß bis 1948. Bis zum Jahre 2000 wurde es als Pflegeheim genutzt. Jetzt steht es leider leer.
Rathaus in Ebersdorf
Rathaus in Ebersdorf
Zinzendorfplatz in Ebersdorf
Zinzendorfplatz in Ebersdorf
Information
Touristinformation Saalburg-Ebersdorf
Markt 1
07929 Saalburg-Ebersdorf
Tel.: 036647 29080
Fax.: 036647 29088
bb@saalburg-ebersdorf.de
www.saalburg-ebersdorf.de