• Schleiz

ehemaliges Schloss Schleiz
Historisches Bild:
ehemaliges Schloss Schleiz
Auf den Höhen des Thüringer Schiefergebirges liegt umgeben von zahlreichen Seen und Teichen das Städtchen Schleiz.
Schleiz war ab dem 7. Jh. von sorbischen Stämmen bewohnt. Im 12. Jh. erfolgte dann die deutsche Besiedlung, wie auch bei anderen Orten entlang der "Reußischen Fürstenstraße".
Schon bald entstanden Handelswege, die die Entwicklung förderten. Die Handelswege kreuzten sich in der Altstadt am Nicolaiplatz. Hier befand sich einst eine Kirche, die Kirche des Schutzpatrons der Handelsleute. 1856 brannte die Kirche ab. Die bedeutendste Handelsstraße, die durch Schleiz führte, war die von Venedig über Nürnberg zur Messe nach Leipzig. Schleiz entwickelte sich zu einem Gewerbe- und Handelszentrum des oberen Saalegebietes.
Neben der sorbischen Altstadt legten die Lobdeburger am Fuße der Burg eine "neue" Stadt mit einem Markt an. Dieser Markt wurde Altmarkt genannt. Beide Teile der Ansiedlung waren getrennt befestigt und zwei voneinander unabhängige Stadtgemeinden, mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten der Landesherren gegenüber. Erst 1482 kam es zur Vereinigung der beiden Städte. 1708 begann der Bau einer dritten Stadt der "Heinrichstadt", die dann 1851 an Schleiz angegliedert wurde. 1824 entstand durch Verfüllen des Stadtteiches der Neumarkt. Er wurde hauptsächlich als Rindermarkt angelegt.

Das Gebiet der Slawen wurde unter der Herrschaft Otto I. (912-973) in sieben Markgrafschaften geteilt. Schleiz gehörte zur Mark Zeitz, die 1113 aufgelöst wurde.
Bei seiner ersten urkundlichen Erwähnung befindet sich Schleiz unter der Herrschaft eines Zweiges der Lobdeburger, einem fränkischen Adelsgeschlecht. Der Stammsitz der Lobdeburger war die Lobdeburg bei Jena. 1297 wird Schleiz als Stadt (oppidum) erstmals urkundlich erwähnt. Nach dem Aussterben des Zweiges Lobdeburg-Arnshaugk (1289) und langen Erbstreitigkeiten geht Schleiz 1318 an die Vögte von Gera, Nachkommen der Vögte von Weida. Nach der Schlacht bei Mühlberg 1547 im Schmalkaldischen Krieg verlieren sie ihren Herrschaftsanspruch. Der neue Besitzer war Heinrich IV. aus der burggräflich-meißnerischen Linie der Vögte von Plauen. Mit dem Aussterben des letzten Burggrafen von Meissen (1572) fiel deren Territorium an die Herren Reußen von Plauen zu Greiz.
Mit Herrschaftsteilung des Hauses Reuß hatte Schleiz ab 1666 den Rang einer Residenzstadt für die Linie Reuß-Schleiz inne, die 1805 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde. Nach dem Aussterben des Hauses Gera und der Abdankung des Fürsten des Hauses Ebersdorf Reuß j. L. wird die Landesregierung 1848 in das wirtschaftlich stärker entwickelte Gera verlegt. Schleiz wurde fortan Sommerresidenz.
Der anfangs hoffnungsvolle Aufstieg zu einer reichen Handelsstadt wurde gestoppt. Die Verlegung der Handelswege von Süd-Nord nach West-Ost und die sächsischen Privilegien wirkten sich ebenfalls hemmend aus. So hielt die Stadt Leipzig das Recht, die Zufahrtswege ihrer Händler selbst zu bestimmen. Sächsisches Gebiet wurde bevorzugt.

Auch Schleiz wurde von Bränden, Kriegen und Seuchen heimgesucht. Der 30-jährige Krieg reduzierte die Bevölkerung auf die Hälfte. 1575 starben über 600 Menschen an der Pest, was ein Viertel der Bevölkerung war. 1837 fiel das Rathaus, die Stadtkirche und das Schloss sowie zahlreiche Häuser einem Brand zum Opfer. So ist nur noch wenig mittelalterliche Bausubstanz erhalten.
Am Neumarkt fällt ein historisches Gebäude ins Auge die "Alte Münze". Sie wurde 1647 erstmals als Farbhaus urkundlich erwähnt und 1678 als Münze ausgebaut. Diese ehemalige Prägestelle für reußisches Geld dient heute kulturellen Zwecken. Hier arbeitete auch der Vater Johann Friedrich Böttgers, des Erfinders des weißen Porzellans in Europa. Aufgrund der hohen Geldabwertung wurde die Münzherstellung 1681 eingestellt. 1682 wurde J. F. Böttger geboren. Die Familie verließ noch im selben Jahr die Stadt.

Schleiz war über mehrere Jahre Wirkungsstätte von Konrad Duden. Während seiner Tätigkeit als Direktor des Gymnasiums entstand sein Werk "Die deutsche Rechtschreibung". Heute befindet sich im Gebäude des ehemaligen Gymnasiums das Rutheneum: Duden- und Heimatmuseum.

Weithin sichtbar auf einem Höhenzug, von der Stadt durch das Tal der Wisenta getrennt, befindet sich die Bergkirche Schleiz. Sie zählt zu den schönsten und bedeutenden Kirchen in Ostthüringen. Die Bergkirche war vermutlich eine Straßenkapelle, die den Fuhrleuten Beistand geben sollte, auf ihrem Weg durch das sumpfige Plothener Teichgebiet. Der spätgotische Bau erfährt in den folgenden Jahrhunderten zahlreiche Veränderungen. Der älteste Teil ist ein Sandsteinportal aus der 2. Hälfte des 12. Jh. Als Begräbnisstätte wird die Innenausstattung durch dunkles Mobiliar geprägt. Ein prächtiger Sandsteinsarkophag in der Turmkapelle bildet den Anfang der Begräbnisstätte der Herren von Gera und später des Hauses Reuß j. L. 1676 befanden sich bereits 50 Särge in den Grüften der Kirche. Kunsthistorisch bedeutend ist die Sandstein-Tumba für Heinrich den Mittleren von Gera aus dem Jahre 1500. Der Verstorbene ist in voller Rüstung dargestellt.


Bergkirche
Im Inneren der Bergkirche - Quelle: www.Bergkirche-Schleiz.de
Orgel
Orgel der Bergkirche - Quelle: www.Bergkirche-Schleiz.de
 
Bergkirche
Im Inneren der Bergkirche - Quelle: www.Bergkirche-Schleiz.de

Die heutige vorwiegend barocke Ausstattung ist historisch gewachsen.
Hervorzuheben sind die Arbeiten des Schleizer Malers Paul Keil. Er war in der 1. Hälfte des 17. Jh. der bedeutendste Maler im ostthüringisch-vogtländischen Raum. Er malte u.a. die zwei großen Orgelflügel sowie die Bilder des Gnadenstuhls. Auch bei der Ausgestaltung der Schlosskapelle in Burgk wirkte er mit.
Der Schleizer Bildhauer Johann Balbierer begann 1642 mit dem sehenswerten Burgker Epitaph, das von einem anderen Künstler beendet wurde. Er stellte den Gründer der Herrschaft Burgk mit seiner Familie dar. Das große Schnitzwerk ist in den Bogen vor der Turmkapelle eingearbeitet.
Auf dem angrenzenden Friedhof sind wertvolle Grabmale aus der Barockzeit zu sehen. Der Dachstuhl ist von hoher Zimmermannskunst und dient als Schau- und Lehrobjekt. 1983 wurde eine umfangreiche Restaurierung abgeschlossen.

Ein Schloss finden wir in Schleiz nicht mehr.
Es gab eine Burg der Herren von Lobdeburg (12. Jh.). 1367 wird diese Burg das "Haus Schleiz" der Vögte von Gera genannt. Nach einem Brand entstand ein erstes Schloss durch Herr Heinrich XII. von Gera (gest. 1500). 1647-1848 war es Residenzschloss Haus Reuß-Schleiz j. L. Nach erneutem Brand 1837 wurde es nochmals aufgebaut. 1848-1918 war es Sommerresidenz bzw. Nebenresidenz Reuß j. L. und Verwaltungssitz des Reußischen Oberlandes. Im Schloss hatte sich seit 1925 das Oberlandmuseum, das reußische Hausarchiv mit 5.0000 Bänden und das Münzkabinett mit ca. 6.000 Münzen befunden. 1945 wird es durch letzte Bomben des 2. Weltkrieges zerstört. Nur noch zwei Turmruinen erinnern daran.

Warum wird Schleiz die Rennstadt genannt?
Begonnen hat es 1922 mit einer internen Brennstoffverbrauchsprüfung durch die Apollo-Autowerke Apolda. Auch 1923 war es noch eine Leistungsprüfung für Krafträder. Angeregt wurde diese Prüfung durch die Brennstoffverteuerung. Die Höchstgeschwindigkeit war 64,2 km /h (1000 m³ Mars). 1924 fand die 1. Deutsche Motorradmeisterschaft mit 81 Aktiven statt. 1931 wird das Rennen international. 1937 fand zunächst das letzte Rennen statt. 1949 begann man wieder: Am 16. Schleizer Dreieckrennen nahmen 171 Aktive und 160.000 Zuschauer teil. 1950 waren es bereits 250.000 Zuschauer.
Durch Instandsetzung und Modernisierung konnten ab 1961 auch Autorennen ausgetragen werden. Das Schleizer Dreieck ist eine der ältesten Straßen-Naturrennstrecken Europas und hat drei scharfe Linkskurven. Nach der Wende heißt es nun - Anpassung an die Marktwirtschaft. Es gibt attraktive Veranstaltungen die jährlich stattfinden, wie das "Treffen der Oldies", die Seitenwagen Weltmeisterschaften und natürlich das Rennen der "Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaften (IDM)".

Das wald- und wasserreiche Gebiet um Schleiz zählt zu den schönsten Landschaftsgebieten Deutschlands. Bemerkenswert ist der im Ortsteil Heinrichsruh gelegene Waldpark - eine der ältesten Parkanlagen Thüringens - Park Heinrichsruh.


Ausflug nach Ziegenrück


Zwischen Hohenwartetalsperre und Bleilochtalsperre liegt Ziegenrück. Der Sage nach soll Karl der Große hier eine Burg gegen die Sorben errichtet haben. Sowohl der internationale Wanderweg Eisenach- Budapest als auch der Saale-Radwanderweg "Von der Quelle bis zur Mündung" berühren diesen an einer großen Saaleschleife gelegenen Ort. Schon vor fast 100 Jahren beschäftigte man sich hier mit der Energiegewinnung durch Wasserkraft. Das ehemalige Laufwasserkraftwerk "Fernmühle" entstand auf dem Gelände der ältesten Wassermühlen (erwähnt 1258) im oberen Saalegebiet. 1965 wurde das Wasserkraftwerk wegen Unrentabilität stillgelegt. 1966 wurde ein Wasserkraftmuseum eröffnet. Hier sind Wasserkraftmaschinen vom ältesten Wasserrad bis zur modernen Kaplan-Turbine zu sehen.

Wasserkraftmuseum
Lobensteiner Str.6
07924 Ziegenrück
Tel. (03 64 83) 2 22 54


Whoever speaks of Schleiz probably thinks of the car race "Schleizer Dreiecksrennen" which is known in Germany and beyond.
Schleiz was owned by the Younger Reuss line from 1572. After prince Heinrich LXXII. Reuss-Lobenstein-Ebersdorf had resigned in 1848, Schleiz formed the principality of the Younger Reuss line of the three parts, Schleiz, Lobenstein-Ebersdorf and Gera. The latter became the capital city and residence of the prince. Of the former castle of Schleiz, which served the Younger Reuss as residence and summer seat, only the ruins of the castle towers have been left after the bombing in April 1945.
Worth seeing is the new Market with the "Old Minthouse".
Schleiz is the birthplace of Johann Friedrich Böttger, who discovered the porcelain in Europe. Another well-known citizen of Schleiz was Dr. Konrad Duden, who introduced unified rules of German spelling. He was headmaster of the local secondary school between 1869 and 1876

Other sights:
  • Park of Heinrichsruh
  • Mountain church with late-Gothic and Baroque interior

© Ein Teil der Bilder wurde uns freundlicherweise von der Stadtverwaltung Schleiz zur Veröffentlichung überlassen. Die historische Aufnahme erhielten wir von der Werbeagentur Riegg & Stark. Die Aufnahmen der Bergkirche Schleiz durften wir mit Genehmigung downloaden.
Alte Münze
Alte Münze
Rathaus
Rathaus

Residenzen der Reußen

Gegründet wurde die Burg wahrscheinlich um 1200 von den Herren von Lobdeburg und 1303 zum erstenmal urkundlich erwähnt. Die erste Bezeichnung als "Haus zu Schleiz", der Vögte von Gera, erfolgte 1367. Nach einem Brand (1482) ließ Heinrich XII. von Gera an gleicher Stelle ein Schloss erbauen. 1550 ging es zunächst in den Besitz der burggräflich-meißnerischen Linie der Herren und Vögte von Plauen über. Ab 1616 gehörte das Schloss Reuß j. L. Von 1647 - 1848 war es Residenzschloss des Hauses Reuß-Schleiz j. L. Nach einem Brand im Jahre 1689 musste Heinrich I. seine Residenz verlassen und zog nach Köstritz. Es folgte ein großzügiger Ausbau. 1837 brannte es abermals aus und wurde wieder neu errichtet. Von 1848 - 1918 nutzten die reußischen Fürsten das Schloss als Sommer- bzw. Nebenresidenz. Gleichzeitig war hier der Verwaltungssitz des Reußischen Oberlandes. 1945 wurden 50 Häuser und das Schloss bis auf die beiden Turmruinen und den angrenzenden Schlosspark durch amerikanische Bomben am Ende des 2. Weltkrieges völlig zerstört. Wertvolle Kulturgüter gingen verloren.
Blick zur Bergkirche
Blick zur Bergkirche

Interessant

Dr. Konrad Duden

K. Duden wurde 1829 auf dem Gut Bossigt im Raum Wesel geboren. Er kam als Rheinländer in die Residenzstadt Schleiz. Er studierte Philologie und ging als Lehrer ins Ausland. Er unterrichtet Deutsch als Fremdsprache und merkte bald das orthografische Chaos der deutschen Sprache. 1869 wurde er an das Gymnasium nach Schleiz berufen. Er veröffentlichte einen Jahresbericht "Zur deutschen Rechtschreibung". 1872 schrieb er in Schleiz sein grundlegendes Werk "Die deutsche Rechtschreibung". Der "Duden", ständig aktualisiert, wurde zum Leitwerk der deutschen Rechtschreibung.

Sehenswert

  • Bergkirche
  • Wolfgangkapelle
  • Alte Münze, Böttger-
    Gedenkstätte
  • Schlosspark
  • Rutheneum: Duden- und Heimatmuseum
  • Stadtkirche St. Georg
  • Plothener Naherholungs- und Teichgebiet
  • Bleilochstausee Schleiz, Ortsteil Gräfenwarth
  • Schleizer Dreieck-Rennen
  • Oldtimer-Treffen
Ausflug nach Mödlareuth

Auch das ehemalige Grenzgebiet ist eine landschaftlich reizvolle Gegend. Der Ort Mödlareuth wurde berühmt durch die mitten durchs Dorf gezogene Mauer. Nach der Grenzöffnung entstand hier das "Deutsch-Deutsche Museum". Reste dieser 40 Jahre alten innerdeutschen Grenze sind noch zu sehen.
Rutheneum: Duden- und Heimatmuseum
Rutheneum: Duden- und Heimatmuseum
Saale-Orla-Weg
Saale-Orla-Weg
Information
"Alte Münze"
Neumarkt 13
07907 Schleiz
Tel.: 03663 428735
Fax.: 03663 423220
tourist-info@schleiz.de
www.schleiz.de